Spielmanns- und Fanfarenzug Selb
Zeitungsbericht vom 4. Juni 2005 in der von Erwin Lipsky
Ihr Spiel duftet nach gebrannten Mandeln
Nachwuchskräfte Nico u. Annemarie
Gruppenbild nach der Probe: der “Spielmanns- und Fanfarenzug Selb” FOTOS:LIPSKY
Die Spielmanns- und Fanfarenzüge als wichtiger Bestandteil dörflichen und kleinstädtischen Kulturlebens
Ihr spiel duftet nach gebrannten Mandeln. Es trägt das süße Aroma von Zuckerwatte und lässt den Geschmack kandierter Früchte am Gaumen auftauchen. Mit ihren Spiel ist die Erinnerung an das Warten am Straßenrand in heißer Sonntagmittagssonne verbunden. An das Warten und den seelischen Erregungszustand, der damit einherging: Jetzt kommen sie! Ungezählte Festzüge in Dörfern, Städten und Gemeinden haben die Spielmannszüge der Region mit ihrem Auftreten begleitet. Und im Schlepptau ihrer schmetternden Marschmusik geschehen dann regelmäßig Dinge, die sonst nie geschehen: Das Bier schmeckt aus Literkrügen, und das Verlangen nach einer Semmel mit rötlich eingefärbtem Lachsersatz und ordentlich Zwiebeln oben drauf wird übermächtig. Generationen von Schülern und Wiesenfestbesuchern sind so konditioniert und behalten diese Prägung bis an ihr xxxxxxx
Lebensende. Deshalb ist die Musik der Spielmanns- und Fanfarenzüge vielen Menschen ein Stück Heimat. Dafür lassen wir sie aber eigentlich ganz schön hängen. Für uns ist es selbstverständlich, dass sie unseren Festumzügen die vertraute zeremonielle Aura geben. Dabei existieren die Spielmannszüge im lebensbedrohlichen personellen, finanziellen und ideellen Notstand. Der "Spielmanns- und Fanfarenzug Selb" mag hier exemplarisch für seine Zunftkollegen stehen.
Alles schaut auf den "Toni". Der sendet geheimnisvolle Botschaften. Er sticht einen geschmückten, silbern glänzenden Stab energisch in Richtung Mittagssonne, schwenkt und setzt ihn wieder ab. Sofort nehmen 50 Männer, Frauen und Kinder Haltung an. Noch ein zweiter bestimmter Stich, und das spitze Gebläse der Piccoloflöten setzt zusammen mit dem scharfen Schnarren der Marschtrommeln einleitende Akzente. Anton "Toni" Meißner ist Tambourmajor. Schon dieser Titel zeigt uns die Wurzel der Spielmannszüge: Sie sind der Militärmusik entwachsen. Die Position des Tambourmajors ist vergleichbar mit der des Dirigenten im Orchester. Er trägt die Verantwortung für den reibungslosen musikalischen Ablauf. Er entscheidet, was gespielt wird, gibt Einsätze und reguliert die Tempi. Bei musikalischen Marscheinsätzen ist der Tambourmajor für den Verlauf der Strecke zuständig, bestimmt die Halte- und Wendepunkte und muss das Repertoire nach dem Gelände abstimmen. An einer Steigung wird er also dafür sorgen, dass seine Blässer Pause haben und stattdessen die Batterie der Trommler ein schwieriges Geländeteil mit einem "Feldschritt" überbrückt. Schließlich darf keinem seiner Musikanten die Luft ausgehen.
Der "Spielmanns- und Fanfarenzug Selb" verfügt über zwei ausgebildete Tambourmajore. Diese beiden Führungspersonen haben es bisher geschafft, ihren Musikzug durch alle schwierigen und manchmal sogar gefährlichen Situationen zu Führen. Nicht alle in Festzügen mitgeführten Pferde- und Ochsengespanne sind wirklich so musikfest, dass sie die Nähe einer 50-Mann Kapelle ertragen. Der Toni kann davon ein Lied singen. Das, was dem Außenstehenden als musikalische Einheit erscheint, ist in Wahrheit dreigliedrig. Der Selber Musikzug besteht aus drei musikalischen Elementen: dem Spielmannszug, dem Basszug und dem Fanfarenzug. Militärischen Gepflogenheiten entsprechend, herrscht bezüglich der Aufstellung eine festgelegte Hierarchie. An vorderster Front steht und geht immer der Träger des Schellenbaumes. Er präsentiert bei den Auftritten den verzierten Metallrahmen, behängt mit Glöckchen, bunten Schweifen aus Rosshaar und den geweihten Fahnen. Erst danach kommt der Tambourmajor. Ihm folgen die Lyren - große Glockenspiele, die die Musikanten in einem Fahnenstiefel vor sich her tragen. Die Lyren bilden mit den anschließenden Piccoloflöten die Melodiesektion eines Spielmannszuges. Durch ihren chromatischen Aufbau sind sie, wie die Piccolos, durchaus in der Lage, auch komplexere melodische Anforderungen zu bewältigen. Die Marschtrommler schließen den Spielmannszug ab.
Das Führungsduo des Selber Spielmannszuges: Tambourmajor Anton “Toni” Meißner (re.) und erster Vorstand Bettina Zebisch
Dem Spielmannszug folgt der Basszug. Er besteht aus großen Trommeln und Becken. Die Basstrommel ist das wohl einfachste und schwerste Instrument zugleich. Das Einfachste, weil es mit ein bisschen rhythmischem Grundgefühl ohne längere Übungseinheiten zu beherrschen ist. Das Schwerste, weil es schon einiges an Kraft und körperlicher Konstitution erfordert, eine große Trommel kilometerweit zu tragen und dabei noch kräftig zu schlagen. Zumal der Basszug praktisch ständig im Einsatz ist. Er spielt mit beiden anderen Zügen, dem Spielmanns- und dem Fanfarenzug, die sich regelmäßig abwechseln. Der Basszug bildet also das Verbindungsstück zwischen dem voraus marschierenden Spielmannszug und dem Nachfolgenden Fanfarenzug. Die Fanfaren sind Naturtoninstrumente, die ohne Züge und Ventile auskommen und in ihrer Melodik deshalb auch auf die Naturtonreihe begrenzt sind. Den Fanfarenzug schließen die Landsknechtstrommeln ab. Sie ergänzen mit ihrem dumpfen, paukenähnlichen Klangcharakter die Signalmelodik der Fanfaren. Alles schaut wieder auf den "Toni". Der silberne Stab bleibt nun in der Luft stehen. Lyra, Piccolo und Fanfare nehmen ihren letzten Anlauf, um sich zum Schlusston des berühmten "Coburger" Marsches aufzuschwingen. Dann reißt das Schlagwerk den letzten Akkord in einem endgültigen Stakkato ab.
"Mir gfällt die blaue Trommel", kommentiert ein behelmter Steppke, der mit seiner Fahrradgang von den weithin hörbaren Klängen der Kapelle angezogen wurde. "Des is wäi Wiesnfest", bezeugt ein älterer Zuhörer in der Menschentraube, die sich bei dem Standkonzert des Spielmannszuges vor dem Seniorenheim im Selber Stadtteil "Kappel" gebildet hat. Da haben wir es: Ihr Spiel duftet nach gebrannten Mandeln. Der Spielmanns- und Fanfarenzug Selb existiert bereits seit den 1930er Jahren. Nach seiner Auflösung als Kriegsfolge wurde er 1957 wiedergegründet. Die Firma Hutschenreuther gab dazu mit einer großzügigen Spende zur Jugendförderung den Anstoß. Heute hat die Gruppe 58 aktive Mitglieder im Alter zwischen sieben und 50 Jahren. Das klingt nach viel Personal. Wenn man aber bedenkt, dass nicht immer alle Musikanten verfügbar sind und die Gruppe für ihre Freiluftauftritte einfach eine gewisse Lautstärke und damit Mannschaftsstärke braucht, relativiert sich dieser Eindruck.
Landsknechtstrommler üben
2.Vorstand und Lyra- spielerin Silke Wieja
Trotzdem: Viele Spielmannszüge müssen mit deutlich weniger Musikanten auskommen. Da sind die "Selber" eigentlich noch gut besetzt. Dabei ist es noch gar nicht lange her, da befand sich der Spielmanns- und Fanfarenzug Selb in einer tiefen Krise. Sie hatten ihren musikalischen Leiter verloren, fanden keinen neuen mehr, und das hat über kurz oder lang folgen. Die musikalische Leistung stagniert, Erfolgserlebnisse bleiben aus, der Besuch der Übungsstunden lässt nach, die Lust sinkt, der Frust steigt, die Gruppe beginnt sich im Kreis zu drehen. Bettina Zebisch, erste Vorsitzende des Spielmannszuges, wirkt da noch etwas deprimiert, wenn sie von dieser unerfreulichen Phase spricht: "Das war für uns unheimlich schwierig. Es war über längere Zeit einfach niemand da, der die musikalische Leitung hätte übernehmen können." Hilfe kam aus Tschechien. Milan Jelinek, ein stadtbekannter Musikant, der auch die "Egertaler Blaskapelle" in Selb verstärkt, übernahm schließlich die Position des Musikleiters. Bettina Zebisch: "Damit hat er uns sehr geholfen. Es geht jetzt wieder bergauf Wenngleich wir immer noch unter der ´kopflosen` Zeit leiden. In der Gruppe herrscht immer noch ein gewisser Schlendrian, was beispielweise den Probenbesuch angeht." Erfreulich ist, das momentan immerhin 14 Jugendliche und Kinder im Verein ausgebildet werden. Das ist ebenso kostenlos wie die Ausstattung der Mitwirkenden. Instrumente und Auftrittskleidung werden vom Verein gestellt. Ein Mitgliedsbeitrag wird ebenfalls nicht erhoben. Wovon lebt dann ein Spielmannszug? Bettina Zebisch: "Wir bekommen keinerlei Zuwendungen und finanzieren uns rein aus unseren Auftrittsgagen." Da muss dann allerdings schon äußerst sparsam gewirtschaftet werden. Für die Gage, die Bettina auf Nachfrage für einen einstündigen Auftritt der 50-Mann-Kapelle nennt, rührt mit Sicherheit kein Wiesenfestzeltmusikant auch nur einen Finger. Für Resignation ist aber kein Platz. Man plant für das 50. Jubiläum im Jahr 2007. Dass im Hinblick auf dieses Festjahr neue Mitspieler jederzeit willkommen sind, versteht sich von selbst. Kinder, Jugendliche, Erwachsene - der Spielmannszug freut sich über jeden, der den Weg zu ihnen findet. Außer einer Grundmusikalität, die eigentlich fast jeder mitbringt, sind keine weiteren Voraussetzungen nötig. Und die Übungsleiter stehen bereit, um Interessierten das Nötige beizubringen. In zwei Jahren soll das 50-jährige Bestehen groß gefeiert werden. Da sind dann sicher viele offizielle Reden und wohlgesetzte Worte zu hören. Das ist gut. Wichtiger für den Fortbestand des Spielmannszuges aber ist, dass die Spielleute motiviert sind. Und da kann die Selber Bevölkerung etwas nachhelfen. Das geht ganz einfach. Den Musikanten einfach öfter mal auf die Schulter klopfen. Wirkt Wunder! von ERWIN LIPSKY
Zeitungsbericht vom 28.09.2005 in der
SPIELMANNSZUG- UND FANFARENZUG IN FEUCHTWANGEN SELB - Nachdem der Spielmannszug Feuchtwangen nun schon über 25 Jahre nach Selb kommt, um hier beim Wiesenfest zu spielen, war es endlich an der Zeit, dass auch der Selber Spielmannszug einmal nach Feuchtwangen reist. Auf eine Einladung der Stadt Feuchtwangen fuhren die Selber Musiker zum Feuchtwangener Mooswiesenfest. Bereits um 5 Uhr in der Früh ging es mit dem Bus auf große Fahrt. Fast alle Spielleute waren dabei, man wollte ja einen guten Eindruck hinterlassen. Als der Spielmanns- und Fanfarenzug Selb am Vormittag dann in Feuchtwangen ankam, bestaunten alle zunächst den tollen Bus auf welchem die Porzellankaffeekanne zu sehen ist. Als dann noch ein Standkonzert auf dem Marktplatz gegeben wurde, waren die Zuschauer begeistert. Begrüßt wurde die Abordnung aus Selb vom Bürgermeister der Stadt Feuchtwangen, H. Eckhardt, dem Schatzmeister des Feuchtwangener Spielmannszuges und einigen Spielern. Und auch Werner Fürst, vielen Selbern ein Begriff und seit langer Zeit mit dem Spielmannszug Feuchtwangen verbunden, war zufällig "zur Mooswiesn" in Feuchtwangen. Er nahm sich des Selber Spielmanns- und Fanfarenzuges sofort als "Reiseleiter" an. Bei strahlend blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen fand anlässlich des Mooswiesenfestes dann am Nachmittag ein großer historischer Festzug durch die Straßen der Innenstadt von Feuchtwangen statt. Die Spielleute aus Selb konnten auch hier durch ihr musikalisches Können überzeugen. Sie wurden dafür mit viel Applaus während des ganzen Umzuges belohnt. Nach dem Umzug traf man sich dann auf dem Festplatz und knüpfte Kontakte. Am Abend, als die Selber die Heimreise antraten, waren alle ziemlich geschafft, aber es waren sich auch alle darüber einig, dass dieser Besuch einmal wiederholt werden sollte. Auch will man sich mit den Spielleuten aus Feuchtwangen treffen, wenn sie wieder in Selb zu Gast sind.
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Fanfarenbläser Standkonzert
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